Ein Abgeordneter auf Streife

Der Mannheimer Bundestagsabgeordnete Nikolas Löbel auf Nachtschicht im Polizeirevier Innenstadt / Gespräche mit Streifenbeamten und der Polizeiführung

Hinten im Streifenwagen statt vorne im Sitzungssaal des Gemeinderats, auf der Pritsche in der Gewahrsamszelle statt auf dem Abgeordnetenstuhl unter der Reichstagskuppel: Nikolas Löbel, Mannheimer Stadtrat und Bundestagsabgeordneter, verbrachte eine Nacht auf dem Polizeirevier Innenstadt – und damit an Orten, die sonst den schweren Jungs vorbehalten sind. Hautnah, ungeschönt: So wollte Löbel die Polizeiarbeit erleben, denn jenseits von Statistiken und Verlautbarungen wartet die Wirklichkeit.

Die Nacht „im Einsatz“ begann für den Bundestagsabgeordneten am späten Nachmittag. Im Polizeipräsidium traf Löbel sich zu einem intensiven und langen Gespräch mit dem stellvertretenden Leiter der Polizeidirektion Reviere, Bernd Bühler, und dem Leiter des Polizeireviers Innenstadt, Jörg Lewitzki. Die Themen reichten von der Entwicklung der Kriminalitätsstatistik in Mannheim über die Ausstattung der Polizei, den Einsatz von Körperkameras im Dienst, den Modellversuch zur Videoüberwachung, der Stellensituation und kommenden Strukturveränderungen im Polizeipräsidium Mannheim bis zur Gewalt gegen Beamte im Dienst. Die habe zugenommen wie allgemein der Respekt und die Umgangsformen abgenommen hätten, so die Beamten, die sich dankbar für die vom Bundestag in 2017 beschlossene Gesetzesänderung zeigten, nach der Angriffe auf Polizisten und andere Sicherungs- und Rettungskräfte unter besondere Strafe gestellt werden. „Angriffe auf Polizeibeamte und Rettungssanitäter sind Angriffe gegen den Staat. Dafür habe ich null Verständnis. Es ist eine Frage der Haltung, dass der Staat hier deutlich macht: Für Übergriffe, wie sie Beamte der Mannheimer Polizei vergangenes Jahr am Rande des Stadtfestes erleben mussten, kann es keine Toleranz geben“, sagte Nikolas Löbel.

Zum Polizeipräsidium Mannheim gehören 21 Einheiten, darunter sieben Reviere in Mannheim einschließlich des im Volksmund „H4-Wache“ genannten Innenstadt-Reviers. Rund 4,5 Quadratkilometer groß ist das betreute Gebiet mit rund 30.000 Einwohnerinnen und Einwohnern und noch einmal so vielen Ein- und Auspendlern also Berufstätigen und Menschen, die zum Einkaufen, für einen Kneipenabend oder zu Veranstaltungen in die Quadrate und den Jungbusch kommen. Was die Personalstellen betrifft, ist das Revier Innenstadt eines der größeren: Von derzeit 95 Stellen seien 67 für den Schichtdienst vorgesehen, berichtete Revierleiter Lewitzki. Macht pro Schicht plus/minus zehn Frauen und Männer „auf der Straße“; mal sind es zwölf oder, wie in der Nacht, in der Nikolas Löbel mit „im Einsatz“ war, neun Beamtinnen und Beamte. Sie kümmern sich von der Ruhestörung im Jungbusch und Verkehrsbehinderungen in den engen Quadraten über offenen Drogenhandel in der östlichen Unterstadt und häusliche Gewalt beim Revier um die Ecke bis zu Ladendiebstählen, schwerem Raub, Einbrüchen, Un- und Überfällen, Bränden und Mord und Totschlag um so ziemlich alles, was Polizeiarbeit in einer Großstadt ausmacht.

„Die Beamtinnen und Beamten haben einen anstrengenden, aufreibenden Beruf“, resümierte Löbel. Umso bewundernswerter sei, wenn Beamte über Jahre und Jahrzehnte in einem Brennpunktrevier wie der H4-Wache ihren Dienst verrichteten. Nikolas Löbel wurde in seiner Nacht auf Streife von Polizeioberkommissar und Dienstgruppenleiter Oliver Metzger sowie von Polizeiobermeister Stephan Krön begleitet, die viele Dienstjahre auf dem Innenstadt-Revier und damit sehr viel Erfahrung gesammelt haben. Gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen der Schicht berichteten sie dem Bundestagsabgeordneten detailliert und ungeschminkt über ihre Arbeit und die Sicherheitslage in der Mannheimer Innenstadt und erläuterten die Ausstattung von Revier, Fahrzeugen und den Beamtinnen und Beamten selbst. Dabei schlüpfte Nikolas Löbel von der Rolle des interessierten Zuhörers auch einmal in die der Beamten, etwa als er sich die besondere (und besonders schwere) Schutzkleidung für Amok-Alarm überzog – oder den Geruch einer Gewahrsamszelle intensiv wahrnehmen durfte.

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