MEIN THEMA DER WOCHE: ORGANSPENDE

Kurzinterview mit Nikolas Löbel MdB

Ihr Parteikollege Jens Spahn hat ein Gesetz zur Organspende vorgelegt.

Aktuell gilt die Entscheidungslösung. Diese soll durch die „Doppelte Widerspruchslösung“ ersetzt werden. Warum ist das nötig?

Es warten etwa 10.000 Menschen auf ein Spenderorgan. Leider besitzen nur 36% der Bevölkerung einen Organspendeausweis. Dabei wären 84% der Menschen zur Organspende bereit. Etwa 2.000 Menschen sterben jedes Jahr, weil sie kein Spenderorgan erhalten. 
Da müssen wir uns doch fragen, wie wir den Menschen helfen können, die dringend ein Organ benötigen. In vielen anderen europäischen Ländern gilt bereits die Widerspruchslösung. In Spanien beispielsweise werden viermal soviele Organe gespendet. Natürlich ist das ein grundgesetzlicher Eingriff, der gerechtfertigt sein muss. Aber ich finde, der Eingriff ist gerechtfertigt, angemessen und geboten. Daher unterstütze ich den Gesetzentwurf von Jens Spahn und Dr. Karl Lauterbach (SPD).

Was sagen Sie zu den Bedenken, die einige Politiker vorbringen, dass Organspende nicht vom Staat erzwungen werden darf?Dieser Formulierung muss ich widersprechen: Jeder ist auch weiterhin frei zu entscheiden, ob er Organe spenden möchte oder nicht. Niemand wird gezwungen, seine Organe zur Verfügung zu stellen. Durch das neue Gesetz werden sie lediglich aufgefordert, eine Entscheidung zu treffen. Man kann sich also vor einer Entscheidung nicht mehr drücken. Für Leute wie mich, die solch eine Entscheidung gerne auf die lange Bank schieben, ist das genau richtig.

Haben Sie denn einen Organspendeausweis?

(lacht) Nein. Ich bin glaub ich das Paradebeispiel. Ich hab nichts gegen Organspende, hab aber keinen Organspendeausweis. Wenn ich beispielsweise meinen Personalausweis beantrage und im Bürgeramt gefragt werde, ob ich spenden möchte, würde ich es mir überlegen. Im nächsten Moment ist das Thema dann aber schon wieder raus aus meinem Kopf. Bei der Widerspruchslösung wiederum müsste ich reagieren. Würde ich aber nicht.

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