Ein Jahr in den USA leben, studieren und arbeiten: Das Parlamentarische Patenschafts-Programm (PPP) macht’s möglich

In diesem Jugendaustausch-Programm des Deutschen Bundestages und des Amerikanischen Kongresses konnten seit 1983 bereits fast 27.000 junge Leute gefördert werden, davon 20 % junge Berufstätige. Ich übernehme dabei als Bundestagsabgeordneter gern während des Jahres die Patenschaft für sie. Auch 2020 bietet das PPP, dann zum 37. Mal, neben Schülern auch jungen Berufstätigen wieder die Chance, amerikanisches Familien-, College- und Arbeitsleben aus erster Hand kennen zu lernen.

Was ihr tun müsst?

Bewerben! Das kann jeder junge Berufstätige mit abgeschlossener Berufsausbildung und Auszubildende im letzten Berufsausbildungsjahr, der/die zwischen 1. August 1995 und 31. Juli 2004 geboren wurde. Der Schwerpunkt des Programms liegt auf handwerklichen, technischen und kaufmännischen Berufen. Außerdem sind junge Landwirte und Winzer willkommen.

Bewerbungsunterlagen könnt ihr bis zum 13. September 2019 bei der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) online unter usappp.de anfordern.

Was am PPP so toll ist?

Das weiß keine/r besser als ein/e ehemalige/r Teilnehmer/in. 2018/19 durfte Mannheimerin Ann Kathrin Noe ein Jahr USA-Erfahrung sammelt, die sie gern mit uns teilt:

Wenn ich gebeten werde mein Auslandsjahr zu beschreiben, ist meine Antwort meist etwas generisches wie: „Ja, war richtig schön“ oder „Es war echt unglaublich“. Aber diese beiden Beschreibungen klingen furchtbar distanziert und werden den Erfahrungen, die mir dieses Jahr gegeben hat, nicht gerecht. Obwohl ich auch in diesen zwei Seiten meinen Erlebnissen kaum gerecht werden kann, möchte ich nun versuchen, Ihnen etwas näher zu bringen, was es für mich bedeutet hat, eine PPP-lerin sein zu dürfen.

Ein Spruch, der schon unzählige Male von Austauschschülern verwendet wurde und auch mir auf den Weg gegeben wurde ist: „Exchange isn’t a year in your life, it’s a life in a year.“ Dieser Satz fasst etwas zusammen, was jedes Jahr tausende Schüler und Studenten erleben dürfen. Nicht nur zu Gast in einem Land zu sein und es von außen zu erleben, sondern zu der Gesellschaft, der Kultur und einer Familie zu gehören.
Ein Moment, der mir persönlich sehr viel bedeutet hat, war die vehemente Antwort meiner amerikanischen Brüder auf die Äußerung von Dritten, dass ich ein Gast sei: „Nein, sie ist so viel mehr als das. Sie ist unsere Schwester.“ Dies war eine der Situationen, in denen mir wirklich bewusst war, dass ich dazugehörte und ein Teil der Familie geworden war. Dieses Gefühl ist etwas, das einfach unglaublich ist und dazu geführt hat, dass ich nun zwei Zuhause habe – eines in Deutschland und eines in Boise.
Eines der besten Erlebnisse für mich war, über Weihnachten mit meiner Familie nach San Francisco zu fahren. Dort trifft sich die ganze Familie meines Vaters jährlich bei der Urgroßmutter. Weihnachten, so war mir von anderen ATS gesagt worden, sei weg von Zuhause nicht einfach und oft eine Zeit des Heimwehs. Doch für mich gehören diese Erinnerungen zu den schönsten. Ich war ganz selbstverständlich ein Teil der Familie, und bekam auch von Menschen, die ich nie zuvor getroffen hatte, Geschenke: Es sei ja Weihnachten. Ohne zu überlegen nahmen sie mich einfach als Teil der Familie auf.
Ein sehr großer und interessanter Teil meines Austauschjahres war meine ehrenamtliche Tätigkeit. An der lokalen High School half ich freitags im Deutschunterricht und traf mich regelmäßig mit einigen Schülern. Einfach, um uns auf Deutsch zu unterhalten oder über meine Heimat zu sprechen. Dies war möglich, da an meiner eigenen High School freitags kein Unterricht stattfand.
Amerikanischen Jugendlichen die deutsche Sprache und Kultur näher zu bringen und zu lernen, wie sie Deutschland sehen, war für mich sehr interessant, denn ich erlebte gerade das umgekehrte. Außerdem konnte ich Deutschland aus der Sicht einer Jugendlichen beschreiben und war keine Lehrerin, sondern eine Freundin. Wir unterhielten uns einfach über aktuelle Dinge oder wie anders es ist, in Deutschland aufzuwachsen und zu leben. Um diese Gespräche und den interkulturellen Austausch zu erhalten, habe ich dann auch mithilfe der Lehrer und Schüler eine Brieffreundschaft zwischen der High School und meinem Gymnasium ins Leben gerufen. Ich hoffe, dass damit langfristig viele Schüler die Möglichkeit haben, sich auszutauschen. Eine weitere Feststellung: So wie ich als deutscher Schüler einmal in die Vereinigten Staaten wollte, möchte der Großteil der US-amerikanischen Schüler unbedingt nach Europa. Dieser Traum wurde für einige der Schüler durch einen drei-Wochen-Austausch wahr. Ein Mädchen aus „meiner Klasse“ kommt dieses Jahr sogar mit dem PPP nach Deutschland!

Was ein Auslandsjahr auch so besonders macht ist, dass man die Chance hat, sich persönlich weiterzuentwickeln auf eine ganz besondere Art und Weise. Es gibt die offensichtlichen Veränderungen, wenn man zurückkommt – ein besseres Englisch zum Beispiel. Aber da gibt es noch so viel durchschlagendere Dinge. Die größte Errungenschaft für mich ist, dass ich viel selbstbewusster zurückgekommen bin und gelernt habe, für mich selbst verantwortlich zu sein. Dieses und vieles mehr hätte ich auch in Deutschland irgendwann lernen können. Jedoch ist dies nun in einem viel größeren Ausmaß, in einem kürzeren, genau abgrenzbaren Zeitraum und auch ganz bewusst geschehen. „Ich habe es mir selbst bewiesen, dass ich viele Dinge kann.“ Ich habe das sichere, bekannte und bequeme Umfeld verlassen. Die positiven Entwicklungen gehören untrennbar zum Austauschjahr. Das ist der Grund, warum ein Austausch es ein ganzes Leben ist und nicht nur ein Jahr im Leben. Irgendwann bin ich an einen Punkt gekommen, an dem ich mich nicht mehr fremd in Boise fühlte, sondern so, als ob ich schon lange dort gelebt hätte. Ich wurde zugehörig.

Zuletzt möchte ich noch all den Menschen danken, die es für mich möglich gemacht haben, diese Erfahrungen zu sammeln. Meiner Familie hier, die mich gehen ließ. Meiner Familie in Idaho, die mich aufnahm. Allen, die am PPP beteiligt waren und meinen Austausch-Organisationen, die dafür gesorgt haben, dass ich mich immer glücklich an das vergangene Jahr erinnern werde.

Ann Kathrin Noe (2019)
Ann Kathrin Noe war 2018/19 mit dem PPP in den USA und hat dadurch viele Erfahrungen gesammelt.

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published. Required fields are marked *

*